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Boris Jungclaus

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Donnerstag, 10. Oktober 2013, 10:40

doppelte Buchführung oder EÜ-Rechnung

Zitat

... Vielleicht blöde Frage: Warum wird die Insolvenzbuchhaltung nach der "Eröffnungsbilanz" nicht als doppelte Buchführung (stattdessen: Einnahmen-Überschuss-Rechnung) geführt?
Freundliche Grüße ...


Mit "nach der Eröffnungsbilanz" meinen Sie sicherlich den Zeitpunkt ab insolvenzeröffnung..

Zunächst einmal wird m.E. auch die Insolvenzbuchhaltung als "doppelte Buchführung" abgebildet.
Auszug aus Wikipedia:

Zitat

... In einem Buchungssatz wird grundsätzlich Soll an Haben gebucht und damit jeder Geschäftsvorfall doppelt erfasst, jedoch auf verschiedenen Konten. Es wird zeitgleich jeweils genau der gleiche Wert im Soll und im Haben gebucht.

Genau dies erfolgt auch üblicherweise in der insovlenzrechtlichen Buchhaltung.

Gehen wir vielleicht anders an die Fragestellung ran:
1) Zunächst stellt sich die Frage, welches Darstellungsinteresse haben die Gläubiger und das Insolvenzgericht
2) Anschließend muss die Frage bzgl. der Darstellung des Verfahrens ggü. dem Finanzamt geklärt werden.

zu 1) die Gläubiger sowie das Gericht sind an einer Übersicht, gegliedert nach insolvenzspezifischen Themen interessiert (vorl. Verfahren, Eröffnetes Verfahren, Einnahmen-/Ausgaben während MUZ, etc.)
zu 2) das Finanzamt interessiert sich vorrangig für eine steuerliche/handelsrechtliche Darstellung des Verfahrens (z.B. wurden bei einem Sollversteuerer auch die Faktura in einer USt-VA gemeldet, etc.)

Hier setzen bekanntlich diverse Programme für Insolvenzverwalter an, die es ermöglichen insolvenzrechtliche sowie handelsrechtliche Buchungen zu verknüpfen.
Datevanwender gehen häufig so vor, dass bei den Zahlungsflussbuchungen (sprich dem Ansprechen der Bank oder der Kasse) das Feld "Kostenstelle" mit einem insolvenzrechtlichen Gliederungsschlüssel belegt wird.
So ist es anschließend möglich diese Buchungen für das Amtsgericht nach den gewünschten Positionen darzustellen.

Gruß
Boris Jungclaus

RGSilberer

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Dienstag, 12. November 2013, 16:34

Zunächst einmal wird m.E. auch die Insolvenzbuchhaltung als "doppelte Buchführung" abgebildet.
Auszug aus Wikipedia:

Zitat

... In einem Buchungssatz wird grundsätzlich Soll an Haben gebucht und damit jeder Geschäftsvorfall doppelt erfasst, jedoch auf verschiedenen Konten. Es wird zeitgleich jeweils genau der gleiche Wert im Soll und im Haben gebucht.

Ich möchte hier widersprechen, eine Einnahme-Ausgaben-Rechnung kann man nicht als doppelte Buchführung bezeichnen. Die Erklärung der Wikipedia ist auch strittig. Es ist nicht ganz eindeutig geklärt woher die Bezeichnung doppelte Buchführung kommt, aber die Erklärung mit den zwei Buchungen scheint nicht zuzutreffen. Wie man auch hier sehen kann.

Ich bevorzuge eher die Deutung, daß bei der doppelten Buchführung sowohl über die Bilanz als auch über die GuV das Betriebsergebnis festgestellt wird.




Boris Jungclaus

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Dienstag, 12. November 2013, 17:15

dann ziehen wir für interessiert noch die Darstellung des BMWi hinzu :-)

http://www.bmwi-unternehmensportal.de/li…00008/index.php

RGSilberer

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Mittwoch, 13. November 2013, 11:46

:-) Das sind schon etwas einfach gestrickte Definitionen.

Im übrigen ist die Einrichtung von Konten für die Einnahme/Überschuß-Rechnung eine ziemlich neue Erfindung des Finanzministeriums. Üblich war bis vor ein paar Jahren eine einfache Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben, streng nach dem Zuflußprinzip. Vergleichbar einem Kassenbuch. Daß man bei etwas größerem Geschäftsumfang sich auch teilweise Konten eingerichtet hat, blieb jedem Unternehmer selbst überlassen, da es für diese Art der Gewinnermittlung weiter keine Vorschriften gibt. Seit einigen Jahren jedoch verlangt das Finanzministerium für die Einkommensteuererklärung ein vorgeschriebenes Formblatt mit zahlreichen Gliederungen die man vernünftig nur ausfüllen kann, wenn man unterjährig auch schon auf Konten bucht.