Sie sind nicht angemeldet.

1

Freitag, 25. Januar 2013, 23:26

schuldnerisches Geschäftsbankkonto und Auskehrungen auf das Anderkonto

Hallo,

ich habe einige Fragen zur Verbuchung der schuldnerischen Geschäftsbankkonten und deren Auskehrungen auf das Anderkonto.

1) Müssen die schuldnerischen Geschäftsbankkonten grundsätzlich auch gebucht werden? Dies würde bedeuten, dass auch bei Buchungen auf diesen Konten ein EA-Konto angesprochen wird, welches dann in die Schlussrechnung eingeht, oder? Ist dies so gewollt?

2) Wie verfahre ich mit einem negativen Saldo, den das schuldnerische Geschäftsbankkonto bei Anordnung des Verfahrens ggf. aufweist? Verbuche ich diesen, oder buche ich lediglich die Geschäftsvorfälle auf dem schuldnerischen Geschäftsbankkonto ab diesem Zeitpunkt.

3) Die schuldnerische GmbH verfügt über mehrere Geschäftsbankkonten mit Guthabensaldo. Im Rahmen der Übertragung auf das Anderkonto ist angedacht, für jedes schuldnerische Geschäftsbankkonto ein separates EA-Konto anzusprechen, um die Guthabenübernahmen in der Schlussrechnung getrennt ausweisen zu können. Ist dies im standardisierten Kontenrahmen noch möglich, oder an sich nicht gewollt? Bisher gibt es lediglich die Konten 4005.xx und 4006.xx. Dürfen weitere Konten 4007.xx, 4008.xx etc. für die einzelnen Guthabenübernahmen angelegt werden?

4) Auf dem schuldnerischen Geschäftsbankkonto gehen nach Verfahrensbeginn Zahlungen von Debitoren ein. Werden diese in diesem Zeitpunkt bereits einem EA-Konto, z.B. 4200.01 o.a. zugewiesen oder sollen diese erst nach Übertragung auf das Anderkonto auf einem EA-Konto dargestellt werden? Wie ist der grundsätzliche Gedanke zur Verbuchung von Geldeingängen der (Alt-)Debitoren auf dem schuldnerischen Geschäftsbankkonto?

Vorab allen vielen Dank für Anregungen und Hinweise

2

Mittwoch, 30. Januar 2013, 20:26

Hallo, Frau/Herr Polar712,

nachfolgend beziehe ich mich auf Ihre Numerierung. Meine Antworten sind - vor dem Hintergrund eines Studiums und 14 Jahren Berufs-/Insolvenzerfahrung - eher betriebswirtschaftlich pragmatisch orientiert, so dass Sie Ihr Vorgehen im konkreten Fall immer mit der/dem Insolvenzverwalter(in) abstimmen sollten.

ad 1) und 4):
Das hängt nach meiner Erfahrung vom Insolvenzgericht und der Größe des Verfahrens ab. Es gibt Gerichte, Fall A, die wünschen "nur" ein Anderkonto und höchstens noch ein Festgeld zu sehen, alle anderen Geschäftskonten sollen möglichst umgehend geschlossen werden, die Drittschuldner sollen schließlich nur noch an die/den Insolvenzverwalter(in) zahlen. Andere Gerichte wiederum, Fall B, finden es gut, wenn jedes genutzte Bankkonto der unternehmerischen Schuldner auch gebucht wird, nicht zuletzt vor dem Hintergrund dass schon in mittleren Verfahren zahlreiche Zahlungen immer noch versehentlich auf dem schuldnerischen Geschäftskonto landen und die Fortführung des Unternehmens/die Abwicklung des Zahlungsverkehrs dadurch deutlich einfacher wird. In einer ohnehin unsicheren Lage (Stamm-)Kunden auch noch mit dem Zahlungsverkehr zu verärgern, ist kaum für den Erfolg eines Verfahrens förderlich.

Wenn Sie schuldnerische Geschäftskonten mitbuchen, dann empfehle ich - wie in der steuerlichen Buchführung - Zahlungseingänge mit erfolgswirksamen E/A-Konten auf den schuldnerischen Geschäftskonten und die Überträge auf das Anderkonto mit Geldtransfer-Konten abzubilden. Wenn Sie alle Geschäftsvorfälle erfassen, weist die Schlussrechnung die korrekten Werte aus.

Weitere Vorteile dieser Vorgehensweise:
- Ihre offenen Posten stimmen, so dass Mahnläufe leicht umzusetzen sind, gerade wenn die steuerliche Buchführung bspw. nur quartalsweise erstellt wird.
- Zessionen lassen sich deutlich leichter anhand der Buchführung abbilden
- Manche Banken transferieren Zahlungseingänge nicht 1:1 auf das Anderkonto, sondern sammeln Zahlungseingänge und transferieren diese in Summe oder transferieren zunächst nur Abschläge, um mögliche Gegenansprüche auf Grund von bspw. Zession leichter durchsetzen zu können. Das Zuordnen der Geldtransfers auf dem Anderkonto zu Einnahmen/Ausgaben ist dann sehr zeitaufwendig und meist nur mit erheblichem Aufwand außerhalb der Buchführung zu dokumentieren (was natürlich im Fall A ohnehin erforderlich ist, wenn das Gericht nur ein Konto sehen möchte).

Zu guter Letzt: Wenn die Buchungen überschaubar sind - Anfangsguthaben, ein paar Lastschriften und deren Retouren, Auflösungsgebühren, Übertrag an das Anderkonto - macht das Buchen des schuldnerischen Geschäftskontos natürlich keinen Sinn. Und selbstverständlich muss die Vorgehensweise auch mit dem kontoführenden Kreditinstitut abgestimmt werden, damit Sie im Falle von Zessionen keine Schwierigkeiten bekommen oder ganz einfach die Kontoauszüge erhalten - auch da habe ich schon so manche Überraschung erlebt.

ad 2)
Das erste Problem haben Sie bereits erkannt - und hier kommt das zweite: Wie verbuchen Sie Belastungen, die die Bank möglicherweise auf dem Konto weiter ausweist, aber gar nicht vom Verwalter zu verantworten sind, also bspw. die monatliche/vierteljährliche Zinsrate oder Vorschüsse der Bank an den Zwangsverwalter etc.? Diese Auszahlungen haben jedenfalls in der Schlussrechnung des Verwalters/der Verwalterin nichts zu suchen. Aber: auch hierfür gibt es eine einfache Lösung, die dem Buchhalter die Kontrolle der Salden und dem Sachbearbeiter die Kontrolle der vollständigen Auskehr der Debitorenforderungen auf das Anderkonto ermöglicht. Erfassen Sie diese "Nicht-Insolvenzverwalter-Ausgaben" einfach auf einen gesonderten durchlaufenden Posten, den Sie mit Abschluss des schuldnerischen Geschäftskontos wieder gegen das Geschäftskonto auflösen. Wenn beide den Saldo 0,00 € aufweisen, hat die Bank alle Zahlungseingänge auf das Anderkonto übertragen.

ad 3)
Das Anlegen getrennter E/A-Konten halte ich nur dann für sinnvoll, wenn Sie tatsächlich ein Fall-A-Gericht haben, Sie aber die schuldnerischen Geschäftskonten weiter vorhalten und deshalb laufend Überträge von diesen zu erwarten sind. Dann könnten Sie mit getrennten E/A-Konten für jedes Geschäftskonto die Überträge besser nachvollziehen. Ansonsten ist es meistens so, dass Sie das schuldnerische Konto (einmal) auflösen und das Guthaben übertragen lassen. Wenn dann vielleicht noch einmal eine Zahlung hinterherkommt, bekommen Sie das mit einem aussagefähigen Buchungstext auf dem immer gleichen Konto viel besser hin.

Ich freue mich, von Ihnen zu hören. Wenn Sie noch Fragen haben - schicken Sie mir einfach eine private Nachricht.
Beste Grüße, Ihr Markus Reitz